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Swiss Propaganda

Propaganda in Schweizer Medien

Propaganda in Schweizer Medien?

Ob öffentliches Fernsehen oder Privat­radio, ob Boulevard oder NZZ: Wenn es um Geo­politik und Kriege geht, berichten die eta­blier­ten Medien selbst in der offiziell neutralen Schweiz erstaun­lich gleich­artig und ein­seitig.

Sie tun dies womö­glich nicht ganz frei­willig, denn die Schweiz steht unter Druck. Eine allzu objektive Bericht­erstattung und die Ver­wen­dung „feindlicher“ Quellen könnte unan­ge­nehme politische und wirtschaft­liche Konse­quenzen für das erfolg­reiche Alpen­land haben. Schwei­zer Me­dien: un­­ab­­­hän­gig oder an­ge­passt?

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Zensur und Selbstzensur

Zensur und Selbst­zensur bei geo­politischen Kon­flikten sind in der Schweiz keineswegs unbe­kannt, wie ein Blick in die Ge­schichte zeigt.

Um das Land keinen un­nötigen Risiken auszu­setzen, mussten sich Medien und sogar Buch­verlage während des Ersten und Zweiten Welt­kriegs und während des Kalten Kriegs stets an einen politisch vor­ge­gebenen Mei­nungs­­korridor halten, der sich an den welt­weiten Kräfte­ver­hält­nissen orien­tierte. Ob dies im heutigen Global War on Terror und dem „Neuen Kalten Krieg“ wohl anders ist?

Aufgrund der enormen Medien­­kon­zen­tration ist die Um­setzung von Zensur und Selbst­zensur heut­zu­tage zudem ein­facher denn je. Inzwi­schen werden über 90% des Schwei­zer Marktes von nur fünf großen Medien­­häusern kon­trol­liert: Tamedia, Ringier, NZZ Medien, AZ Medien und SRG (siehe Info­grafik). Wenn da bloß dieses Inter­net nicht wäre…

Die Partnerschaft mit der NATO

Die Schweiz ist nicht Mitglied in der NATO, trat jedoch 1996 der „NATO Partner­schaft für den Frieden“ und 1997 dem Euro- Atlan­tischen Part­ner­­schafts­­­rat bei – jeweils ohne Volks­ab­stimmung.

Seitdem wird das Schweizer Militär als Hilfs­trupp im Nach­gang von mit­unter völker­rechts­widrigen Krie­gen ein­ge­setzt, so im Kosovo (KFOR), in Bosnien (EUFOR/ Althea) und in Afgha­ni­stan (ISAF).

Ob die Medien in der NATO- Part­nerin Schweiz dennoch in ent­schei­­denden Mo­men­ten kri­tisch über Militär­einsätze und Regime Changes der US-Allianz be­rich­ten dürfen?

Die Mehr­zahl der Bei­träge zu den Krie­gen in Jugo­slawien, Af­gha­ni­stan, Irak, Libyen, Syrien, der Ukraine und vielen weiteren Kon­flikten scheint jeden­falls nicht darauf hinzudeuten.

An Sank­tionen der NATO muss sich die Schweiz auf Druck der USA schon seit 1951 be­tei­li­gen. Jour­na­lis­ten, die diese Ver­let­zung der Neu­tra­li­tät da­mals kri­ti­sier­ten, er­hiel­ten 15 Mo­na­te Ge­fäng­nis we­gen Lan­des­ver­rats.

Die NZZ-Studie

Die Neue Zürcher Zeitung ist das Flagg­schiff unter den Schweizer Tages­­zei­tungen. Doch wie objektiv und kritisch berichtet die NZZ über geo­politische Konflikte?  Um dies zu beantworten, wurde die Bericht­­erstattung der NZZ zur Ukraine-Krise und zum Syrien­krieg während je eines Monats untersucht. Die Resultate sind eindeutig.

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Das gewünschte Narrativ

Was passiert, wenn sich ein Schweizer Jour­na­list bei geo­politischen Kon­flikten nicht an das gewünschte Narrativ hält?

Im Januar 1994, mitten im Bosnien­krieg, ver­öffent­lichte Hanspeter Born (damals Aus­lands­­­chef der Welt­woche) einen Artikel zu Kriegs­­lügen der west­­lichen Medien. Daraufhin geschah Folgendes:

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Die Konferenz

Die großen Schweizer Medien­­häuser sind in Trans­at­lan­tik- Netz­werke ein­ge­bun­den: So nehmen die wichtigsten Schweizer Verleger und Chef­redakteure im Turnus an der jähr­lichen Bilderberg-Konferenz teil, wo sie im privaten Rahmen auf die trans­atlan­tische Elite aus Wirt­schaft, Politik und Militär treffen. Be­richten tun sie kaum darüber – ob sie wenigstens kri­ti­sche Fragen stellen?

Teilnehmer seit 1991 (siehe Info­grafik):

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Die Schweizer Delegation umfasst meist einige wenige Spitzen­ver­treter aus Po­li­tik, Finanz, Pharma und Medien. Foto oben: Kon­fe­renz 2011 in St. Moritz.

Ein BLICK über den Atlantik

Bei der Boulevard- Zeitung BLICK geben die Trans­­atlantiker den Ton an: An der Spitze des Blattes stehen Geschäfts­führer Wolfgang „Stoppt Putin jetzt!“ Büchner vom deutschen Spiegel sowie Co- Chef­redak­teurin Iris Mayer von der Deutschen Presse-Agentur DPA.

2014 lancierte BLICK-Verleger Ringier zudem eine umfang­reiche Kooperation mit dem deutschen Medien­giganten Axel Springer (Heraus­geber von BILD, Welt, etc.). Als britisch- amerikanische Li­zenz­­grün­dung von 1946 ist Axel Springer – wie die meisten deutschen Leitmedien – bis heute tief in den US-Macht­strukturen verwurzelt.

So ist Springer- Konzern­chef Mathias Döpfner Mitglied im inter­na­tionalen Beirat des US Council on Foreign Relations (CFR). Und der langjährige BILD- Chef­re­dak­teur und heu­­ti­ge Ge­samt­­he­raus­­­ge­ber Kai Diek­mann sitzt im Vor­stand der ame­ri­ka­­treuen Atlantik­brücke, in der viele der bekanntesten Medienleute Deutsch­­­lands ver­­ei­nigt sind – und dem­ent­sprechend be­rich­ten.

Propaganda im Staatsauftrag

Auch das Schweizer Radio und Fern­se­hen muss bei geo­po­li­ti­schen Themen die Vor­ga­ben aus Über­see im Auge be­hal­ten, wenn es die US-Allianz nicht unnötig pro­vo­zieren will. Das SRF be­zieht sei­ne Tex­te und Bil­der des­­halb vor­wie­gend von drei Agen­­tu­­ren aus New York, Lon­don und Pa­ris und the­ma­ti­siert Pro­pa­ganda stets nur auf der Gegen­seite (Bei­spie­le: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7) — von „NATO- Pro­pa­ganda“ liest man beim SRF höchstens in den Kom­men­taren ent­täuschter Zu­schauer.

Noch ärger ist die Situa­tion in unse­ren Nach­bar­ländern: Der ehe­ma­lige Chef­­re­dak­teur des ZDF sagte aus, dass Beiträge zu US-Kriegen politisch be­ein­flusst werden, mitunter direkt vom Vertei­digungs­minister. Nahost-Kor­res­pon­­dent Ulrich Tilgner be­klagte Ein­griffe auf­grund von  »Bünd­nis­rück­sich­ten«, und der ehe­­ma­­lige Leiter des ZDF-Studios Bonn be­stä­tig­te »An­wei­sungen von oben« und eine »freiwillige Gleich­schal­tung« der Jour­na­lis­ten.

Beim ORF ver­öf­fent­lichten die Re­dak­teure gar ein Protest- Video als Zeichen gegen die zu­neh­mende po­li­tische Ein­fluss­nahme.

Warum der Tagi nichts verpasst

Ob Ukraine, Syrien oder Chi­na: Der Zürcher Tagesanzeiger bezieht im Rah­men einer kaum be­kannten Ko­ope­ra­tion viele seiner Aus­lands­be­richte von Korres­pon­denten der Süd­deut­schen Zeitung. Deren Außen­politik­­chef zählt jedoch zu den aktivsten Trans­at­lan­tikern Deutsch­­lands – und ent­spre­chend le­sen sich die Arti­kel im Tagi: Aus dem ara­bi­schen Raum berichtet z. B. ein Absol­vent des ameri­ka­ni­schen Arthur- F. - Burns- Fellowship, aus Mos­kau ein Ab­gänger der Henri Nannen Jour­na­lis­ten­schule.

Über den Onlinedienst newsnet werden Aus­lands­be­rich­te des Tagi zudem an andere Schwei­zer Zei­tungen wei­ter­ge­reicht. Auf diese Weise er­­scheinen Pro­pa­gan­da­­stücke der Süd­deutschen Zeitung via Tages­anzeiger und newsnet zu­sätz­lich im Berner Bund und der Basler Zeitung.

Seit 2015 ist der Tages­anzeiger über­dies Teil der Leading European News­paper Alliance (LENA). Zweck des Ver­bunds sei die „Ent­­wick­­lung und der Aus­tausch re­dak­tio­­neller In­hal­te“ mit anderen LENA- Mit­­glie­­dern wie Le Fi­g­aro, Die Welt, El País oder La Re­pub­blica. Alle diese Zei­tungen sind in das Bilder­berg- Netz­werk ein­ge­bun­den – kann es da noch über­­raschen, dass auch die LENA- Repor­ta­gen ganz auf trans­­­at­lan­tischer Linie sind?

NZZ, die Stimme des Imperiums?

2010 schrieb der heutige NZZ- Chef­redakteur und vor­ma­lige NZZ- Auslands­chef Eric Gujer ein Buch über „Ter­ro­ris­mus“ zusammen mit Gary James Schmitt, dem ehe­ma­ligen Executive Director des Project for The New American Century (PNAC).

PNAC wurde 1997 von Dick Cheney und anderen Neo­kon­ser­va­tiven gegründet. Die Gruppe forderte die un­ein­ge­schränkte US-Welt­herr­schaft und anti­zi­pierte bereits im Jahre 2000 in einem Strategie­papier ein „neues Pearl Harbor“ als Legitimation für die globale US-Offensive.

NZZ-Chefredakteur und At­lan­ti­ker Eric Gujer pfleg­te zu­dem Kon­­tak­­te zu di­ver­sen Ge­heim­diens­ten und wur­de selbst mehr­fach ab­ge­hört (sie­he auch: Der Chef­re­dak­teur und die CIA).

Infografik: Das Netzwerk

Wie sind Schweizer Medien in trans­­at­lantische Netz­werke ein­ge­­bunden? Welche Personen, Organi­sa­tionen und Kon­fe­ren­zen sind von Bedeutung? Unsere Info­grafik gibt Auskunft.

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Anschlag auf die Forschungsfreiheit

So ergeht es US-kritischen Forschern in der Schweiz: Der Historiker Dr. Daniele Ganser wurde 2006 nach einer Inter­vention der amerika­nischen Bot­schaf­­terin prompt von der ETH Zürich ent­lassen. Dr. Ganser forschte zu ver­deckter Kriegs­führung und ins­ze­nier­tem Terror durch die NATO im Kalten Krieg sowie zu den An­schlägen vom 11. September 2001 (siehe Artikel im ETH-Magazin). Der Zürcher Tages­anzeiger berich­tete zum Eklat um Dr. Ganser:

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Das gewünschte Narrativ II

Im Dezember 2015 publi­zierte das News­portal Watson (AZ Medien) einen Artikel des lang­jährigen Tages­schau-Kor­res­pon­denten Helmut Scheben zum Syrien­krieg. Scheben stellte den Krieg in einen geo­po­li­tischen Kontext und kri­ti­sierte die westliche Be­richt­­er­stattung als einseitig und ma­ni­pu­la­tiv. Der Beitrag un­ter­schied sich deutlich von früheren Syrien-Artikeln, die Watson meist vom deut­schen Content-Partner Spiegel Online bezog.

Keine zwei Tage später ver­öffent­lichte Watson jedoch einen ge­har­nisch­ten Rückruf, in dem sich das Portal vom Artikel distanzierte und Helmut Scheben wüst beschimpfte: man sei auf einen „Putin-Troll“ herein­ge­fallen, der wo­möglich in der „russischen Propaganda-Maschinerie“ mit­wirke. Auch Leser, die sich positiv zum ur­sprüng­lichen Artikel geäußert hatten, wurden als Trolle verun­glimpft.

Wer oder was hat wohl hinter den Kulissen zu dieser selt­samen Reak­tion geführt? Jeden­falls wurde damit allen Journa­listen in Er­in­nerung gerufen: Wer sich in der Schweiz nicht an das ge­wünschte Nar­ra­tiv hält, ris­kiert Ruf und Karriere.

SRF: Der Ton macht die Musik

Musik ist eines der wirkungs­vollsten Mittel, um Menschen emotional zu beeinflussen – positiv wie negativ. Dies gilt auch im TV: kein Werbe­spot, kein Thriller ohne passenden Soundtrack. Oft wird die subtile Musik im Hintergrund gar nicht bewusst wahr­ge­nommen – und ist gerade deshalb so effektiv.

Von dieser Wirkung weiß man auch beim Schweizer Fern­sehen: Dort werden selbst in Nach­richten­sen­dungen gerne mal gruselige Klänge ein­ge­spielt, wenn es darum geht, geo­po­li­tische Gegner der trans­at­lan­tischen Allianz auf der psy­cho­lo­gischen Ebene zu dämo­ni­sieren.

Hinzu kommen geschickt gewählte Bilder, raffinierte Farbeffekte, ein sug­ges­tiver Tonfall, tendenziöse For­mu­lie­rungen und vor­ein­ge­­nommene Inter­view­­partner im Ex­per­ten­gewand als weitere be­lieb­te Tech­ni­ken, um Bei­trä­gen den ge­wünsch­ten Schliff zu geben.

Ist das noch seriöser Journalismus, oder schon ge­bühren­finanzierte Pro­pa­ganda? Ent­scheiden Sie selbst – hier eine Kostprobe aus der Sen­dung 10vor10 vom Mai 2015:

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Abschied von USA-Kritikern

„Sobald der Journalismus die Macht­affinität des Mainstreams ab­streift, wird er interes­santer, er wird un­ver­zichtbar für das Pub­likum. (1)“ „Man muss sich deshalb immer fragen: Weshalb kommt jetzt gerade diese Information in dieser Form auf mich zu? Letztlich stecken immer Macht­fragen da­hinter. (2)“ „Der Ver­zicht auf Fragen stützt die Ver­lo­genheit der propagan­distischen Ter­mi­no­logie. (3)“ (Zitate Konrad Hummler)

Februar 2012: Der US-kritische Banquier Konrad Hummler muss nach nur einem Jahr im Amt als NZZ- Präsi­dent zurück­treten. Seine Privatbank Wegelin wurde von den USA an­ge­klagt und zerschlagen.

Für Schweizer Banken wie Journalisten war dies ein Wink mit dem Zaun­pfahl. Denn Hummler hatte nicht nur bank­politisch, sondern auch publi­zistisch die „rote Linie“ über­schritten, als er sich in einem viel­beachteten An­lage­­kommentar unter dem Titel »Abschied von Amerika« mit dras­tischen Worten über die USA äußerte:

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Der Multiplikator

Es ist einer der wichtigsten Aspekte unseres Medien­systems – und dennoch in der Öffent­lich­keit nahe­zu un­be­kannt: Der größte Teil der inter­na­tio­nalen Nach­rich­ten in all unseren Medien stammt von nur vier glo­balen Nach­rich­ten­agen­turen aus New York, London, Paris und Berlin.

Die Schlüssel­rolle dieser Agen­turen be­wirkt, dass west­liche Medien zu­meist über die glei­chen The­men be­richten und dabei sogar oft­mals die­selben For­mu­lie­rungen ver­wenden. Zu­dem nutzen Re­gie­rungen, Mi­li­tärs und Ge­heim­dienste die glo­balen Agen­turen als Mul­ti­pli­kator für die welt­weite Ver­brei­tung ihrer Bot­schaften. Die trans­at­lan­tische Ver­netzung der eta­blier­ten Medien ge­währ­leis­tet da­bei, dass die ge­wün­schte Sicht­weise kaum hin­ter­fragt wird.

Eine Unter­suchung der Syrien-Bericht­er­stat­tung von je drei füh­ren­den Tages­zei­tungen aus Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz illus­triert diese Effekte deut­lich.

Zur Multiplikator-Studie →

Das Meinungskartell

Damit hatten die Schwei­zer Ver­leger nicht ge­rech­net: Kein Ge­rin­gerer als der da­ma­lige Schwei­zer Bundes­präsi­dent kon­sta­tierte 2013 in einer Rede an ihrem Jahres­kongress, dass in den hiesigen Medien eine »selbst­ver­fügte Gleich­schal­tung« be­stehe. Wohl gebe es noch eine Viel­falt an Medien­titeln, doch sei dies »reine Mas­ke­rade«, denn unter den ver­schie­denen Titeln bekomme man allzu oft das Gleiche zu lesen. Die inhalt­liche Viel­falt fehle, es herrsche ein »weit­gehendes Mei­nungs­­kartell«.

Zu poli­tischen Tabu­themen werde nicht mehr re­cher­chiert, und wer es doch tue, ris­kiere seinen guten Ruf. Wichtige Dis­kus­sionen würden nicht geför­dert, sondern ver­hin­dert. Dies sei für eine frei­heit­liche Demo­kratie nicht nur staats­poli­tisch bedenk­lich, sondern scha­de letzt­lich auch den Medien selbst: Die Leser ver­lören ob der medialen Gleich­förmig­keit und Ober­flächlichkeit das Interesse und würden sich alter­na­tiven Infor­ma­tions­an­ge­boten zu­wenden.

Für seine Medien­schelte wurde der Bundes­prä­sident da­mals von den ver­sam­melten Ver­legern aus­ge­pfiffen. Doch hatte er so un­recht?

Die Propaganda-Wächter

Der Schweizer Presse­rat nimmt Be­schwer­den zu Me­dien­be­rich­ten ent­ge­gen und prüft, ob die Bei­trä­ge seinen Richt­linien ent­­spre­chen.

Aller­dings besteht das Gre­mium selbst aus 15 Be­rufs­­jour­­na­­listen und nur sechs Pub­li­kums­­ver­­tre­tern; und auch diese werden von einem Stiftungs­rat er­nannt, der gänz­­lich von Medien­orga­ni­sa­tionen kon­trol­liert wird – da­run­ter der Ver­leger­ver­band und die Kon­fe­renz der Chef­re­dak­teure.

Das Resultat kann man sich denken. Im Som­mer 2014 wurde etwa eine Be­schwerde gegen die no­to­risch ein­sei­tige Ukraine-  Bericht­er­stattung der NZZ ein­ge­legt. Ganze zwei Jahre später kam der Presse­rat zu seinem Verdikt: Die Rich­tig­keit der west­lichen Dar­­stel­lung stehe »außer Frage«, denn auf »amt­liche Ver­laut­ba­rungen und Agen­tur­mel­dungen« sei »Verlass«. Vor russischen Quel­len wird in­des ge­warnt – diese wären weder glaub­haft noch er­for­der­lich. Kom­men­tare müss­ten nicht auf Fak­ten ba­sie­ren, Ge­gen­mei­nungen ein­zu­holen sei »un­üb­lich«, und an den Aus­füh­rungen der NZZ zu »Kreml- Trollen« sei »nicht zu zwei­feln«. Be­schwerde ab­ge­lehnt.

Pikant: Einige der be­ur­teil­ten Ar­tikel stam­men von einem NZZ-Redak­teur, der selbst im Stiftungs­rat des Gre­miums sitzt – und somit dessen Mit­glie­der wählt. Beim Presse­rat nennt man dies »Selbst­re­gu­lierung«…

Die NZZ ringt um ihre Glaubwürdigkeit

Die geo­politische Bericht­er­stattung der NZZ kommt bei ihren Lesern nicht mehr gut an: Deutungs­hoheit und Glaub­würdig­keit schwin­den dra­matisch, wie eine Ana­lyse der Leser­kommentare zeigt. Zwei Bei­spie­le:

Im Juni 2016 pu­bli­zier­te die NZZ einen Kom­men­tar zur Ukraine­krise, in dem er­neut zahl­rei­che Pro­­pa­­ganda- Tech­­ni­­ken ge­nutzt wur­den. Bei den Le­sern stieß dies auf hef­ti­ge Kri­tik: Von den ins­­ge­­samt 64 Haupt­­­kom­­men­­ta­ren waren le­dig­lich 19% po­si­tiv, wei­tere 19% neu­tral oder un­be­stimmt, je­doch 62% ne­ga­tiv zum Ar­ti­kel und zur Leis­tung der NZZ.

Noch deut­li­cher fiel das Le­ser­votum bei einem NZZ-Ar­ti­kel zum Han­dels­ver­trag TTIP vom Juli 2016 aus: Von den 29 Kom­men­ta­ren, die die NZZ frei­schal­te­te, waren ganze 93% kri­tisch und nur 7% zu­stim­mend. Auch hier wurde die ma­ni­pu­la­tive Ar­gu­men­ta­tions­tech­nik der NZZ kri­ti­siert.

Alles aus­län­disch finanzierte »Inter­net­pi­raten« (O-Ton NZZ) – oder ein­fach nur ent­täu­schte Le­ser, die eine sach­li­che Be­richt­­er­stattung er­warten?

Der Kampf gegen die Leser

Weil allfällige Propaganda von kritischen Lesern immer öfter und schneller entlarvt wird, sind viele Medien dazu über­ge­gangen, die Kommentar­funktion auf ihren Inter­net­­seiten stark zu zensieren oder gar ganz zu deaktivieren.

In ihrer Not versuchten die ertappten Medien, die kri­ti­schen Leser als Fünfte Kolonne dar­zu­stellen, die von aus­län­dischen Re­gie­rungen fürs Kom­men­tieren bezahlt werde. Be­lege da­für blie­­ben in­des aus, und inhaltlich wurde auf die Leser­kritik ohnehin nicht ein­ge­gangen.

Längst belegt ist jedoch das Gegenteil: Die eigenen Geheim­dienste sowie PR-Agenturen schreiben in Online-Foren und sozialen Me­dien mit, um die Lesermeinung im Sinne ihrer Auf­trag­geber zu beeinflussen.

Zuletzt kamen noch die un­durch­­sichtigen Ma­ni­pu­la­tionen im Online-Lexikon Wikipedia ans Tageslicht – zu den Tätern gehörte wohl auch der Schwei­zer Nach­richten­dienst.

Der Chefredakteur und die CIA

Die klandestine Zu­sam­men­arbeit west­licher Geheim­dienste mit Medien, Think Tanks und NGOs ist seit langem bekannt und vielfach doku­men­tiert.

Wie eng und um­fas­send selbst füh­ren­de deutsch­­spra­chige Jour­na­listen mit den Ge­heim­diens­ten kooperieren, dies zeigt bei­spiel­haft der Fall von Otto Schul­meister.

Schul­meister war lang­jäh­riger Chef­re­dak­teur der Presse, einer der größ­ten und tra­di­tions­reich­sten Tages­­zeitungen Öster­reichs. 2009 wurde sein CIA-Dossier aus der Zeit des Kalten Krieges publik – mit haar­sträu­benden Einzel­heiten zur ver­deckten Kol­la­bo­ration:

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Idée Suisse

Groß war der Auf­schrei in den Schweizer Medien, als Polen Anfang 2016 ein neues Medien­ge­setz erließ, welches die Er­nennung von Di­rek­toren des öffent­li­chen Rund­funks der Re­gie­rung über­trug. Doch wie un­ab­hängig sind die öffent­lichen Medien in der Schweiz?

Die Realität ist er­nüch­ternd: Obwohl die Schwei­ze­rische Radio- und Fern­seh­ge­sell­schaft (SRG) gerne betont, dass sie als privater Verein orga­ni­siert ist, wurde der SRG- Präsi­dent bis 2012 ganz offiziell von der Landes­re­gierung be­stimmt, die zudem wei­tere Ver­wal­tungs­rats­mit­glieder er­nennt. Seit­her kommt ein un­durch­sich­tiges Pro­ce­dere zum Ein­satz, bei dem das Minis­terium vorab über die Kan­di­daten »infor­miert« wird.

Zudem wurde das An­for­de­rungs­profil sowohl bei der Wahl des General­di­rektors 2010 wie auch bei der Wahl des Prä­si­denten 2016 noch während des Ver­fahrens ange­passt – und in beiden Fällen letzt­lich ein Wunsch­kan­di­dat des am­tie­renden Medien­mi­nis­ters gewählt.

Aus dieser Ver­quickung re­sul­tiert im End­­ef­fekt eine SRG, die über Re­gie­rungs­politik meist wohl­wollend be­rich­tet und volks­wirt­­schaft­­lich be­deu­tende Kon­zerne mit Kritik weit­­ge­hend verschont. Das ist gut ge­meint, aber nicht un­be­dingt guter Jour­na­lismus.

Propaganda für unterwegs

Die kostenlosen Pendler­zei­tungen 20 Minuten und Blick am Abend sind die bei weitem größten Zei­tungen der Schweiz: Die täglichen Reich­weiten liegen bei rund zwei Millionen bzw. 700 000 Lesern. Zudem ist 20min.ch mit über zwei Millionen Be­suchern pro Monat das meist­ge­nutzte News­portal der Schweiz.

Nicht ganz so hoch liegt hin­gegen das jour­na­lis­tische Niveau dieser Zei­tungen: Während 20 Minuten seine Leser haupt­säch­lich mit ge­kürzten und zu­ge­spitzten Agentur­mel­dungen abfertigt, setzt Blick am Abend auch bei inter­na­tio­nalen Themen vor­wie­gend auf Boule­vard- Jour­na­lis­mus.

Beide Blätter gehören trans­at­lan­tisch ori­en­tier­ten Ver­la­gen (Tamedia und Ringier) – und be­rich­ten ent­spre­chend ein­sei­tig: Wäh­rend der völ­ker­rechts­widrige US-An­griff in Syrien 2014 auf der Titel­seite ­ge­feiert wur­de („End­lich: Obama greift zur grossen Keule“), wur­de die völ­ker­rechts­kon­forme russische Inter­ven­tion von 2015 kritisiert („Eine Strategie, die ISIS nützt“).

Das Forschungsprojekt

Swiss Propaganda ist ein Forschungs- und Informations­­projekt zu geo­­po­li­tischer Pro­pa­ganda in Schweizer Medien.

Alle Studien und Bei­trä­ge wurden von einem politisch und publi­zistisch un­­ab­­­hän­­gi­­gen For­scher­team in eigener Ini­­tia­­ti­­ve und Fi­nan­­zierung erstellt.

Unsere Beiträge haben be­reits über eine halbe Mil­lion Men­schen im deutsch­spra­chigen Raum er­reich­t und sind in meh­rere Spra­chen über­setzt worden (sie­he Le­ser­mei­nungen).

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